Von Stephan Hackenbroch (WDR)
Bei der Deutschen Welle in Bonn haben am vergangenen Wochenende die Freienvertreter der öffentlich-rechtlichen Sender mit rund 180 Gästen aus Medien, Politik und Gewerkschaften über aktuelle und künftige Herausforderungen debattiert. In Workshops und Panels ging es unter anderem um die Auswirkungen des Reformstaatsvertrags oder um die Abhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender von Technologiekonzernen.

Freie und Pressefreiheit weltweit unter Druck.
Zu Beginn des zweitägigen Kongresses ging es um die zunehmende Gewalt gegen Journalisten. Reporterinnen und Reporter sind immer häufiger Angriffen ausgesetzt. Weltweit sinkt die Sicherheit für Medienschaffende. Laut Reporter ohne Grenzen belegte Deutschland im Jahr 2025 nur noch Platz 11 in der Rangliste der Pressefreiheit und ist damit erstmals aus den Top 10 heraus gerutscht.
Andreas Lamm vom European Center for Press and Media Freedom (ECPMF) beobachtet seit rund zehn Jahren die Gewalt gegen Journalisten in Deutschland. Über 500 Fälle, in denen sich Medienschaffende Gewalt ausgesetzt sahen, habe er seitdem dokumentiert. Vor allem Demonstrationen blieben dabei besonders gefährlich.
Der Schutz durch die Polizei funktioniert nicht mehr selbstverständlich. NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) räumt ein, dass der polizeiliche Umgang mit Journalisten auf Demos problematisch sein könne, müssten sich Polizisten doch, gerade wenn es hitzig werde, zunächst einmal darum kümmern, dass Situationen nicht eskalieren. Hinzu komme eine steigende Kreativität all jener, die Presseausweise fälschen und sich als Journalisten ausgeben. Darum habe das Land bei der polizeilichen Aus- und Weiterbildung nachgeschärft, sei damit aber auch noch nicht fertig. Vor allem in der lokalen Berichterstattung seien Journalisten Gewalt und Bedrohungen ausgesetzt, sagt Andreas Lamm. Denn dort begegnen sich Politiker und Journalisten meist auch im privaten Umfeld.

Mehr Regionalität gefordert
Dabei sind Geschichten im Regionalen doch genau die Themen, die öffentlich-rechtliche Sender künftig noch intensiver abbilden wollen und, glaubt man den Teilnehmern eines weiteren Podiums beim Freienkongress, auch müssen. Heiko Hilker vom Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung (DIMBB) kritisiert, dass vor allem der MDR und der RBB im Vergleich zu den 1990er Jahren die regionale Berichterstattung deutlich reduziert haben. Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk aber auch in der Region zur Meinungs- und Willensbildung beizutragen habe, dürfe die regionale Berichterstattung nicht reduziert, sondern müsse ausgebaut werden, so Hilker. Eigentlich müsste jede Ratssitzung mit öffentlich-rechtlichen Journalisten besetzt, und jedes wichtige lokale Thema von zwei Seiten kommentiert werden.
Ein Ruf, der im WDR längst angekommen ist. Elmar Pott, WDR-Programmbereichsleiter Wirtschaft, Wissenschaft und Verbraucher, berichtete dazu von der Infostrategie, der Stärkung des Regionalen und dem neuen Reporternetz.
KI – Jobkiller oder Powertool für Freie?
Deutlich kontroverser wurde das Thema „Künstliche Intelligenz“ diskutiert. „Entweder sitzt du am Tisch, oder du stehst auf der Speisekarte“, dieses alte Sprichwort gilt auch im Zusammenhang mit der Künstlichen Intelligenz. Wie kann KI unterstützen, bessere journalistische Inhalte zu produzieren? Aber auch: Steht am Ende weniger Arbeit für Freie, weil Redaktionen glauben, Jobs ganz oder teilweise von KI-Klonen erledigen lassen zu können? Bei diesen Fragen lagen die Meinungen der Teilnehmenden teils weit auseinander. Einige Diskussionsteilnehmer forderten einen konsequenten Verzicht auf direkte Produkte Künstlicher Intelligenz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um damit eine Art weiteres „Qualitätssiegel“ zu schaffen. Andere sahen vor allem die Vorteile der unterschiedlichsten KI-Anwendungen. Diese lägen vor allem in der Recherche und der Arbeitserleichterung.
Der Freienkongress wird jährlich vom Freienrat organisiert. Dieser bündelt die Interessenvertretungen für Freie der öffentlich-rechtlichen Sender.
